Angst, Angst zu haben
ab 17.03.2019

Angst, Angst zu haben

Die ‘Angst, Angst zu haben’, ist ein Zustand, den wir alle kennen. Stark sein müssen und keine Schwäche zeigen zu dürfen, ist eine Realität unserer Gesellschaften, die uns unterschiedlich individuell je nach Person oder Situation verunsichern und herausfordern kann. Der Künstler Ariel Reichman (*1979) ist in Südafrika und Israel aufgewachsen und hat sich schon als junger Mensch etlichen extremen Situationen stellen müssen – ganz besonders der, als Soldat in den Krieg geschickt zu werden.

Bäume stehen seit jeher als Symbol der Kraft, des Wachstums und des Lebens. Das Gut Kerkow liegt mitten in der grünen Uckermark und ist umgeben von viel Natur mit satten Wiesen und starkem Waldbestand – nicht zuletzt einem natürlichem Unesco-Welterbe, dem Buchenwald Grumsin.

Ariel Reichman bedient sich dieser Symbolik und schlägt somit den Bogen zwischen seinem künstlerischen Ausdruck und regionaler Typologie.

Der Künstler nimmt große starke Baumstämme aus der Region und lehnt oder legt diese an und auf die Balken des ehemaligen Speicherraumes des Gut Kerkow. Jedoch hat er die Stämme vorher bearbeitet und hat sie in ihrer Festigkeit angegriffen, indem er sie an jeweils einer Stelle soweit angebrannt hat, daß sie in ihrer Grundfestigkeit geschwächt sind. Zudem hat er die für sie typische Rinde weiß übermalt, um sie somit weiter zu abstrahieren und einer stärkeren Symbolik zuzuführen.

Der Geruch von Feuer und Farbe, aber auch von frischem Holz und somit Leben liegt bedeutungsschwanger im Raum und erzählt sinnlich erfahrbar von Verletzlichkeit und Schwäche, jedoch zugleich auch Stärke und Widerstandsfähigkeit. Die kräftigen Stämme scheinen fast zu zerbrechen und doch leisten sie Wiederstand, stehen und lehnen stark und archaisch im Raum und trotzen dem Angriff der Naturgewalt Feuer im Inneren ihres Kerns.

Ariel Reichman beschreibt symbolisch und bildlich einen mentalen Daseinszustand, einen Moment zwischen Stärke und Schwäche, Stabilität und Verletzlichkeit, der nicht nur theoretisch vorstellbar und fühlbar ist, sondern auch skulptural formalistisch lesbar bis hin zu performativ erfahrbar wird. Ein neues Verständnis von Stärke und geschlechterspezifischer Zuschreibung zur Männlichkeit wird fassbar, indem Schwäche und Angst als keine schlechte und zu negierende Eigenschaften, sondern als integrativer und unabdingbarer Teil von Stärke und Kraft zu verstehen sind.